Reisebericht: Neufundland und Labrador

Reisebericht von Regula Zeller

Neufundlandkarte

Die landschaftlich sehr abwechslungsreiche Atlantikküste wird geprägt von Inseln und Halbinseln. Vielseitig sind die Gegebenheiten dieser Region in ihrer Geschichte und Kultur. Sie reicht von der Besiedelung durch die First Nations, über den ersten Landgang der Wikinger, bis hin zu den Europäischen Einwanderern der letzten Jahrhunderte.

Labrador war bis 1992 weitgehend unerschlossen. Bis zur Eröffnung des Trans-Labrador Highway war der Zugang zu diesem Gebiet nur mit Kanu, Hundeschlitten oder Flugzeug möglich. Unvorstellbar grosse Karibu Herden teilen sich das Land mit Schwarzbären, Elchen und Adlern.

Vor der Küste Neufundlands und Labradors tummeln sich im Sommer unzählige Wale. Im Norden nur unterbrochen von vorbeitreibenden Eisbergen, was für ein Naturspektakel!

1. Tag St. John’s

Wir starten unser Sommerabenteuer mit Air Canada via London. Ein Airbus 320 mit vor allem heimkehrenden Neufundländern an Board, bringt uns in nur sechs Stunden Flugzeit nach St. John’s.

Wir übernehmen unseren Mietwagen und stellen fest, dass uns 30 Grad Celsius erwarten. Den Regenschutz und warme Kleider können wir somit vorerst wegpacken. Vom Wahrzeichen der Stadt, dem Cabot Tower auf dem Signal Hill, geniessen wir den Blick auf den geschützten Naturhafen. Bei einer kolonialen Freilichtaufführung erfahren wir mehr über den geschichtsträchtigen Ort. Wir geniessen den Abend in einem Gartenrestaurant der Provinzhauptstadt. Es ist Wochenende, Musik wird gespielt und die Einheimischen feiern den kurzen Sommer.

2. Tag St. John’s – Trepassey, «Irish Loop»

Auf der Avalon Halbinsel beginnt unsere Mietwagenrundreise. Der östliche Teil der kanadischen Provinz beherbergt mit ca. 300 000 Einwohnern rund die Hälfte des ganzen Landes. Hier liessen sich in Cupers’s Cove ab 1610 die ersten europäischen Siedler Nordamerikas nieder. Die vier Hauptbuchten – Trinity Bay, Conception Bay, St. Mary’s Bay und Placentia Bay – waren lange das Zentrum von Neufundlands Fischereiindustrie.

Whale Watching wird bereits überall angepriesen, doch wir beobachten nun zuerst die putzigen Papageientaucher (Puffins)im Witless Bay Ecological Reserve. Nachmittags schnappen wir uns beim Ferryland Lighthouse einen Picknick Korb und essen herrliche Sandwiches und Salate, während wir die unzähligen Fontänen der vorbeischwimmenden Wale zählen. Was für ein nordisches Sommermärchen!

Weiter südlich wird die Gegend von sumpfigem Grasland geprägt. Wir entdecken Moorblumen und Leuchttürme in der mystisch nebligen Abendstimmung, die dem Namen „Irish Loop“ alle Ehre macht. Auf die grosse, anscheinend momentan im Süden grassende Karibu Herde, warten wir allerdings vergebens.

3. Tag Trepassey, via St. Mary’s Reserve nach Mount Carmel/Placentia Area

Am Vormittag besuchen wir das Cape St. Mary’s Ecological Reserve. Zentrum der Brutstätte ist ein 61 m hoher Felsen, der durch einen kleinen Spalt vom Land abgetrennt ist. Das Vogelreservat ist das grösste Neufundlands und tausende Tölpel (Gannets) bieten ein ohrenbetäubendes Konzert. Heute übernachten wir im charmanten Rosedale Manor B&B, nachdem wir zuerst die Überreste des französischen Forts auf Castle Hill in Placentia besichtigten.

4. Tag Placentia Area – Trinity/ Port Rexton

Die Bonavista Halbinsel ist eine der geschichtsträchtigsten und schönsten Landschaftsabschnitte Neufundlands. Ab Trinity unternehmen wir mit einem Zweimaster eine sagenhafte Walbeobachtungstour. Es scheint, als ob die Buckelwale unser Schiff begleiten würden. Danach spazieren wir durch den kleinen idyllischen Ort mit seinen historischen Gebäuden. Das romantische, hervorragende Candle Light Dinner in unserer Unterkunft der Fisher’s Loft Inn in Port Rexton, bleibt als ein Highlight in Erinnerung.

5. Tag Port Rexton – Twillingate

Heute geht es durch den Terra Nova Nationalpark. Erstaunt bin ich ab den grossen Wäldern. Ich hatte mir Neufundland viel karger vorgestellt. Auf einer traumhaften Panorama Route entlang der felsigen Küste von Notre Dame Bay, gelangen wir am Nachmittag in den hübschen Ort Twillingate an einer der Spitzen Neufundlands. Weit draussen im Meer entdecken wir unsere ersten Eisberge, wie aufregend!

6. Tag Twillingate – Gros Morne Nationalpark

Unsere Route bringt uns weiter auf dem Trans Canada Highway, durch das unendliche, wilde Land, zum Gros Morne Nationalpark mit seinen beeindruckenden Fjorden, Buchten und Seen. Wir hoffen auf Elche, sehen aber nur Warnschilder und auf den Speisekarten der Road-Restaurants Moose (Elch) Burger. Hoffentlich sind nicht schon alle auf den Tellern gelandet. Bei Grand Falls-Windsor erfahren wir im Salmonid Interpretion Centre alles über die Lebensgewohnheiten der Lachse. Fasziniert beobachten wir die Tiere auf ihrem sprungstarken Weg zur Laichstätte flussaufwärts. Drei Übernachtungen in Rocky Harbour, Gros Morne NP.

7. und 8. Tag Gros Morne Nationalpark

Wir nehmen uns einen extra Tag zur Entdeckung des 1805 km2 grossen Nationalparks. 22 Hiking-Trails lassen unsere Wanderherzen höherschlagen. Orchideen und Fleischfressende Blumen lassen uns immer wieder innehalten. Eine Bootstour entlang des Fjordes (Western Brook Pond) ist beeindruckend schön; entstanden ist er während der letzten Eiszeit und bestehend aus reinstem Süsswasser. Kein Wunder wurde der Park 1987 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

9. Tag Gros Morne Nationalpark – Labrador, L’Anse -aux-Claire

Unsere Fahrt bringt uns entlang der Küste bis nach St. Barbe, von wo wir die Fähre nach Labrador nehmen (ca. 1 1/2 Stunden). Nach der kurzen Fahrt erreichen wir das Festland. Wir übernachten im kleinen idyllischen Fischerort.

10. Tag Southern Labrador

Einer von Kanadas beeindruckendsten Leuchttürmen steht in L’Anse Amour. Aus der schwindelerregenden Höhe des Turms beobachten wir auch hier vorbeiziehende Wale und Eisberge, inzwischen ein fast tägliches Bild. Wir folgen der Strasse durch kleine verträumte Fischerorte, sichten unzählige Murmeltiere und einen Weisskopfseeadler. Unser Blick schweift über die unendliche Tundra Labradors. In Red Bay erfahren wir alles über die baskische Wahlfang-Station aus dem frühen 17. Jahrhundert. Hier endet auch die geteerte Strasse in eine Kiesstrasse, welche als Trans-Labrador Highway noch unzählige Kilometer weit durch das wilde, fast menschenleere Land führt.

11. Tag L’Anse-aux-Claire – St. Anthony/ Main Brook

Heute bringt uns die Fähre zurück nach Neufundland. Wieder auf der Insel, fahren wir der Küste entlang in Richtung Main Brook, unweit von St. Anthony. Zwei Mal übernachten wir hier im charmanten Blockhaus am See. (Tuckamore Country Inn). Die immer noch sehr milden Temperaturen laden zur Kanutour mit Badestopp ein.

12. Tag L’Anse aux Meadows

Wir besuchen das L’Anse-aux-Meadows National Historic Site. Die rekonstruierte Siedlung der Wikinger, die hier um 1000 n. Chr. landeten und Grashütten sowie Werkstätten errichteten, wurde 1978 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Kostümierte Schauspieler lassen einem in eine längst vergangene Welt eintauchen. Faszinierend die offenen Schiffe, mit welchen die Skandinavier diese vermutlich erste Siedlung Nordamerikas erreichten. Abends, auf der Rückfahrt zur Unterkunft, endlich das lange erhoffte Bild. Eine Elchkuh mit ihrem Jungen.

13. Tag Main Brook – Gros Morne Nationalpark

Der «Viking Trail» führt uns der Küste entlang nach Süden. Ein Besucherzentrum bei Port au Choix informiert über die Ausgrabung einer frühen Siedlung der «Dorset Eskimos», die vor ca. 5000 bis 7000 Jahren über das Eis von Baffin Island bis hierher vordrangen. Wir dinieren im Ocean View Motel und gönnen uns nochmals herrlich frische Muscheln und Lobster zu kühlem Weisswein. Kulinarisch lässt uns Atlantik Kanada mit seinem preiswerten Seafood nie im Stich.

14. Tag Gros Morne Nationalpark – Terra Nova

Wir nehmen Abschied von der spektakulären Landschaft des Gros Morne Nationalparks und fahren Richtung Terra Nova, wo sich der älteste Nationalpark dieser Provinz befindet. Übernachtung im Terra Nova Golf Resort.

15. Tag Terra Nova

Golf spielen wir nicht, deshalb unternehmen wir zwei weitere Wanderungen im Nationalpark. Wir werden begleitet von einem leichten Nieselregen. Immerhin können wir so unsere
Outdoor-Bekleidung doch noch einsetzen. Andere Touristen treffen wir in Neufundland selten. Meist sind es Kanadier aus anderen Provinzen, die erstaunt sind, dass die Schweizer den weiten Weg ins noch eher unbekannte Neufundland unternehmen. Auf unserer ganzen Rundreise erleben wir die Neufundländer als sehr offen, sehr freundlich und unglaublich hilfsbereit.

16. Tag Terra Nova – St. John’s

Wir geniessen den letzten Tag in St. John’s, der ältesten Stadt Nordamerikas. Beim Spaziergang durch die Einkaufsstrassen entdecken wir originelle kleine Läden, hübsche Bars und Restaurants, ausgestattet mit Blumenkisten und Holzterrassen. Bei einem Iceberg Bier, gemäss Beschrieb aus reinem Eisberg Wasser gebraut, lassen wir diese tolle Reise in Gedanken noch einmal Revue passieren.

17. Tag St. John’s

Es heisst Abschied nehmen von der weiten Wildnis und dem grossen Land. Via Toronto bringt uns Air Canada zurück in unsere kleine Heimat.

Beratung

Regula Zeller – Reiseexpertin

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