Auf Abenteuertour durch das erstaunliche Kirgistan

Reisebericht von Regula Zeller

In Europa immer noch wenig bekannt, bietet das zentralasiatische Land am Fusse des mächtigen Tien-Schan Gebirges seinen Besuchern vor allem eine unverfälschte, einzigartige Landschaft fernab von jedem Massentourismus: die weiten Steppen des Fergana-Beckens, Gletscher mit angrenzenden Flussläufen und einen der grössten Gebirgsseen der Welt, den Issyk-Kul, und die lebendige Hauptstadt Bischkek.

Kirgistan ist wohl das, was man heute „authentisch“ nennt, es bekennt sich zu seinen Traditionen und hat seinen historischen und natürlichen Charme behalten. Auf dieser Studienreise mit Holiday Maker Tours, durfte ich die Aufrichtigkeit und Gastfreundschaft des kleinen, stolzen und freiheitsliebenden Volks erleben.

Bischkek, check!

Die Anreise erfolgt mit Aeroflot und bringt uns frühmorgens in die kirgisische Hauptstadt Bischkek. Bevor wir den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt Kirgisistans erkunden, ruhen wir uns für ein paar Stunden im Hotel aus. Mit ausgeruhten Beinen schlendern wir danach um den Zentralplatz «Ala Too», lassen die Atmosphäre Bischkeks auf uns wirken und hören gespannt den Geschichten der Stadt.

Nach einer Mittagpause in einem der neuen und trendigen Restaurants in Bischkek erkunden wir das Herz jeder zentralasiatischen Stadt – den Basar. Auf dem wuseligen Osch-Basar gibt es neben Textilien, Elektronik- oder Haushaltsartikeln eine Vielzahl an Obst, Früchten, Gemüse und Gewürzen zu kaufen. Und für uns Gäste aus dem Westen auch ein paar Kuriositäten des Nomadenlebens zu bestaunen! Interessant ist für uns aber vor allem das reichhaltige Angebot an Trockenfrüchten und Nüssen, womit wir uns gleich für die nächsten Tage als Zwischenverpflegung eindecken. Am Abend geniessen wir in einer Karawanserei unser erstes «Lagman», ein sehr schmackhaftes zentralasiatisches und chinesisches Nudelgericht, welches uns noch die ganze Reise begleiten wird.

Wanderung im Nationalpark

Ausgeschlafen starten wir am folgenden Tag auf unsere Wanderung im Ala-Artscha-Hochgebirgs-Nationalpark, rund 40 Kilometer südlich von Bischkek im Gebiet Tschüi. Ausgerüstet mit Wanderschuhen und Rucksack machen wir uns auf eine rund vierstündige Wanderung zu einem der Wasserfälle auf. Hier lernen wir ziemlich schnell, was die Kirgisen meinen, wenn sie sagen, eine Wanderung geht bergauf – es kann sehr steil bergauf gehen! Wir sind Schweizer und wie die Kirgisen die Bergwelt gewohnt und so laufen wir motiviert bis zu unserem heutigen Tagesziel. Und es lohnt sich: Wir werden auf unserem Weg mit einer imposanten Bergwelt und grandiosen Naturlandschaften belohnt.

Beim Picknick am Wasserfall sind bald schon alle Anstrengungen vom Aufstieg vergessen und es macht sich eine grosse Dankbarkeit über die fantastische Umgebung breit. Freudig begeben wir uns also wieder auf den Rückweg. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel geht es zu den Hotelbesichtigungen in Bischkek und in ein typisch kirgisisches Restaurant zum Abendessen – inklusive Livemusik. Da werden wir nebst dem Essen auch gleich noch musikalisch willkommen geheissen!

Die Nacht in der Jurte

Am Folgetag erwartet uns der Höhepunkt jeder Reise durch Kirgisistan: Heute Nacht werden wir in einer Jurte übernachten und hautnah mitbekommen, wie es sich als Nomade in der wunderschönen, aber manchmal auch rauen Natur Kirgisistans leben lässt. Auf dem Weg besichtigen wir den berühmten Burana-Turm und besuchen die Frauenkooperative in Kotschkor für eine Mittagspause und eine Vorführung der Filzproduktion. Anschliessend fahren wir über den Kara-Ketsche-Pass an den Hochgebirgssee Song Köl.

Schon auf dem Weg an den See können wir die spektakuläre Landschaft, die an uns vorbeizieht, kaum fassen und so bitten wir den Fahrer mehrmals anzuhalten, um all diese tollen Stimmungen auf unserer Kamera festzuhalten. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das Jurtencamp und erleben die Abendstimmung am drittgrössten See Kirgisistans auf 3016 Meter über Meer. Kalt ist es hier oben anfangs September, aber das trübt die grossartige Stimmung auf keinen Fall.

Nach einem gemütlichen Nachtessen und einem Gute-Nacht-Drink –  Wodka natürlich, was sonst? – kuscheln wir uns frühabends in unsere Schlafsäcke und warmen Decken. Das Team vom Camp hat den Ofen in unseren Jurten eingeheizt und so schlafen wir mit den intensiven Eindrücken des heutigen Tages und beim Knistern des Feuers schnell ein.

Märchenhafte Berge

Wehmütig verlassen wir anderntags schon wieder diesen idyllischen und friedlichen Platz und setzen unsere Reise Richtung Issyk-Köl-See fort. Unterwegs bekommen wir die Möglichkeit, «Kymuss» zu probieren. Bei den Nomaden Kirgisistans ist Stutenmilch in vergorener Form seit jeher Volksnahrungsmittel und Volksmedizin. Gewöhnungsbedürftig, aber durchaus einen Versuch wert.

Unsere Reiseleitung überrascht uns dann am Südufer des Issyk Köl mit dem Besuch der Skazka-Felsen. Skazka ist Kirgisisch und bedeutet Märchen. Das ist passend, wenn man durch die märchenhaft bunten Berge und bizarren Sandsteinformationen streift. Ein weiteres Naturerlebnis, welches durch den einzigartigen Blick auf den Issyk-Köl-See und die umgebenen schneebedeckten Viertausender noch eindrücklicher ist.

Nach einem kurzen Abstecher zu den beiden Felsformationen «Das Gebrochene Herz» und «Die Sieben Bullen» im Tal Dshety Oguz geht es weiter nach Karakol. Am Abend dürfen wir beim Kochen des traditionellen Lagmans bei einer Dungan-Familie mithelfen. Ein wahres Festmahl, das uns aufgetischt wird. Wir können uns an dem vielen leckeren Essen kaum satt sehen, geschweige denn satt essen. Kirgisistan ist jederzeit auch gastronomisch eine Reise wert!

Von Kirchen und Moscheen

Nach dem Frühstück starten wir unsere Tour in Karakol. Die alte orthodoxe Kathedrale sowie die Dungan-Moschee sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Auf der Fahrt zurück nach Bischkek besichtigen wir die Felszeichnungen von Cholpon-Ata, ein Freiluftmuseum der besonderen Art, und machen einen kurzen Zwischenstopp beim Issyk-Köl-See. Für die meisten Kirgisen ein überaus beliebter Ferienort in der Sommerzeit. Für uns ist das Wasser im See zu Saisonende jedoch zum Baden zu kalt und so stärken wir uns lieber bei einem Mittagessen in einem gemütlichen Café und erfreuen uns an der schönen Aussicht von der Terrasse.

Am Abend sind wir in einem der bekannten Navat-Restaurants in Bischkek zum Abschiedsessen eingeladen. An einer wie immer reichhaltigen Tafel geniessen wir zum letzten Mal die vielen kulinarischen Köstlichkeiten Kirgisistans und werden von einer Folklore-Musikgruppe überrascht. Die grosse Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Kirgisen ist zu jedem Zeitpunkt unserer Reise spürbar gewesen und so hören wir den Klängen der «Komuz», einem in Zentralasien beliebten Zupfinstrument, mit Wehmut zu. Und wir denken zurück an all die wundervoll erlebten Momente und auch wenn es morgen früh mit Aeroflot wieder zurück in die Schweiz geht: Kirgisistan bleibt für immer in unseren Herzen!

Beratung

Regula Zeller – Reiseexpertin

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